Was ist die betriebliche Altersvorsorge?

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist eine Vorsorge, die der Arbeitgeber für Mitarbeiter organisiert. Sie zählt zur Schicht 2 der deutschen Altersvorsorge — wie Riester. Seit 2002 gibt es einen Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung: Jeder sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer kann verlangen, dass ein Teil seines Bruttogehalts in eine bAV fließt.

Die Vorteile auf dem Papier: Steuer- und Sozialabgaben-Ersparnis in der Anspar-Phase, oft Beteiligung des Arbeitgebers (seit 2022 Pflicht mit mindestens 15 % Zuschuss bei Neu-Verträgen), Pfändungssicherheit. Die Schattenseite: In der Auszahlungsphase fallen voll Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an — das schmälert die effektive Rendite erheblich.

Die fünf Durchführungswege

WegWer trägt das Risiko?HäufigkeitTypisch für
DirektversicherungVersicherersehr häufigKleine und mittlere Unternehmen
PensionskassePensionskassehäufigBranchen-übergreifend (z. B. Versicherungsbranche)
PensionsfondsFonds (höheres Kapitalmarktrisiko)seltenGroßunternehmen
UnterstützungskasseUnternehmen (über Rückdeckungsversicherung)seltenGeschäftsführer, hohe Beiträge
DirektzusageUnternehmen direkttypisch große KonzerneKonzern-Pensionen

Für die meisten Angestellten ist die Direktversicherung der praktisch relevante Weg. Der Arbeitgeber schließt mit einem Versicherer eine Police zugunsten des Mitarbeiters ab. Auszahlung später als Rente oder Kapital (je nach Vertrag).

Entgeltumwandlung: wie der Steuer- & SV-Hebel wirkt

Bei der Entgeltumwandlung wandelt der Arbeitgeber einen Teil Ihres Brutto-Gehalts direkt in einen bAV-Beitrag um — das Geld kommt nie auf Ihrem Lohnkonto an, also auch nie in die Steuer- und SV-Berechnung.

Höchstbeträge 2026

Der Unterschied ist wichtig: Bis zu 3.864 € sparen Sie sowohl Steuer als auch Sozialabgaben. Zwischen 3.864 € und 7.728 € sparen Sie nur Steuer, aber zahlen weiter SV-Beiträge.

— Rechenbeispiel: Markus, 45.000 € Brutto

Markus zahlt 200 €/Monat (2.400 €/Jahr) per Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung. Sein Brutto sinkt um 2.400 € auf 42.600 €.

Steuerersparnis (Grenzsteuersatz ~32 %): ca. 770 €

SV-Ersparnis (ca. 20 % AN-Anteil): ca. 480 €

Echte Ersparnis pro Jahr: ca. 1.250 € (zusätzlich zu den eingezahlten 2.400 €)

Für 1.150 € echtes Nettoeinkommen-Verzicht fließen 2.400 € in den Vorsorgevertrag. Das entspricht einer sofortigen Förderquote von 52 %.

— Vorsorge ist mehr als bAV

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Der Arbeitgeber-Zuschuss als Game-Changer

Seit 1.1.2022 gilt: Wer als Arbeitgeber durch Entgeltumwandlung Sozialabgaben spart, muss mindestens 15 % des umgewandelten Betrags als Zuschuss in die bAV einzahlen. Manche Arbeitgeber geben deutlich mehr — vor allem in tarifgebundenen Branchen sind 20 bis 50 % nicht selten.

So macht der Zuschuss den Unterschied

Ohne Zuschuss: Die bAV ist wegen voller Verbeitragung in der Auszahlung oft nur ein Steuer-Stundungs-Geschäft mit überschaubarem Mehrwert. Mit 20 %+ Zuschuss: Die bAV wird zum klaren Gewinner, weil ein erheblicher Teil der Beiträge "geschenktes Geld" ist.

ZuschussBewertungEmpfehlung
0 % (keine Pflicht erfüllt — Altverträge)Meist ungünstigEher meiden
15 % (gesetzliches Minimum)GrenzfallMit Vorsicht prüfen
20 bis 30 %AttraktivNutzen
30 bis 50 %Sehr attraktivMaximalen Beitrag ausschöpfen
50 %+ oder voll AG-finanziertToppUnbedingt nutzen

Auszahlungsphase: die Doppelverbeitragung

Hier liegt der größte Nachteil der bAV: Auf die spätere Auszahlung fallen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an — und zwar in voller Höhe, nicht nur die Hälfte wie bei Angestellten. Der Beitragssatz beträgt rund 19 % (KV inkl. Zusatzbeitrag + Pflegeversicherung). Dazu kommt die Einkommensteuer mit dem persönlichen Steuersatz.

Freibetrag seit 2020

Auf bAV-Auszahlungen bis 187,25 € pro Monat (2026) fallen keine KV-Beiträge an. Wer eine kleinere bAV-Rente hat, ist also kaum betroffen. Wer 400 € oder 600 € pro Monat bekommt, zahlt aber spürbar.

— Praxisbeispiel

Markus bekommt im Alter 500 € pro Monat bAV-Rente. Davon werden 312,75 € KV-pflichtig (500 − 187,25 € Freibetrag). KV/PV-Beitrag ca. 19 %: rund 59 €. Plus Steuer 25 %: rund 110 €. Netto bleibt: 331 €. Die effektive Belastung ist also etwa 34 %.

Was passiert bei Jobwechsel?

Die bAV ist seit 2002 portabel (§ 4 BetrAVG). Bei Jobwechsel haben Sie drei Optionen:

  1. Übertragung zum neuen Arbeitgeber — wenn der einen passenden Durchführungsweg anbietet.
  2. Privatfortführung — Sie zahlen die Beiträge aus dem Nettogehalt weiter. Achtung: Sie verlieren die SV-Befreiung, der Steuervorteil bleibt aber.
  3. Ruhend stellen — Sie zahlen nicht mehr ein, das angesparte Kapital bleibt im Vertrag und wächst weiter.

Welche Option am besten ist, hängt von den Konditionen ab. Faustregel: Bei sehr günstigen Altverträgen mit hohem Garantiezins ist Ruhend-Stellen oft sinnvoll, bei kostenintensiven Verträgen die Privatfortführung mit Kostenprüfung oder Übertragung.

— Wichtig

Vor dem Abschluss einer bAV immer prüfen: Wie hoch ist der Arbeitgeber-Zuschuss? Wie hoch sind die Effektivkosten des Vertrags? Welcher Anbieter steht dahinter? Eine bAV ohne Zuschuss und mit teurer Kostenstruktur ist häufig kein gutes Geschäft — selbst bei Steuer- und SV-Vorteilen.

Häufige Fragen — bAV

Was ist die betriebliche Altersvorsorge?

Die bAV ist eine Altersvorsorge, die über den Arbeitgeber organisiert wird. Beiträge werden direkt vom Bruttogehalt umgewandelt (Entgeltumwandlung) — dadurch fallen Steuer und Sozialabgaben weg. Häufigste Form für Angestellte: Direktversicherung.

Lohnt sich die bAV?

Die bAV lohnt sich vor allem dann, wenn der Arbeitgeber substantiell zuschießt — der gesetzliche Mindestzuschuss von 15 % ist Pflicht seit 2022, manche Arbeitgeber geben 30 % oder mehr. Ohne Zuschuss ist die bAV oft ungünstig.

Wie hoch ist der Steuervorteil der Entgeltumwandlung?

Bis zu 8 % der Beitragsbemessungsgrenze (2026: 7.728 € pro Jahr) können steuerfrei in die bAV fließen. Bis 4 % sind auch sozialabgabenfrei (2026: 3.864 €).

Was passiert mit der bAV bei Jobwechsel?

Die bAV ist grundsätzlich übertragbar. Das Guthaben kann zum neuen Arbeitgeber mitgenommen werden, sofern der einen passenden Durchführungsweg anbietet. Alternativ: Privatfortführung oder Ruhendstellung.

Warum wird die bAV-Auszahlung doppelt verbeitragt?

Auf die bAV-Auszahlung fallen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an — der Rentner zahlt also rund 19 % seiner bAV-Rente an die KV/PV. Seit 2020 gibt es einen Freibetrag von 187,25 € pro Monat, bis zu dem keine Beiträge anfallen.

Kann ich die bAV mit Riester kombinieren?

Ja — eine sogenannte "Riester-bAV" kombiniert beide Förderungen. Sinnvoll vor allem bei kinderreichen Familien, um die Riester-Zulagen mitzunehmen.

— Quellen
  • Betriebsrentengesetz (BetrAVG) — §§ 1a, 4, 18
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Sozialversicherungsrechengrößen 2026
  • GKV-Spitzenverband: Freibetrag bAV-Renten 2026
  • Einkommensteuergesetz § 3 Nr. 63 — Steuerfreiheit von bAV-Beiträgen
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