Was ist die Rürup-Rente?
Die Rürup-Rente — offiziell Basisrente, benannt nach dem Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup — wurde 2005 als steuerlich geförderte private Altersvorsorge für Selbstständige eingeführt. Anders als Riester ist sie nicht an Kinderzulagen oder spezielle Berufsgruppen gebunden, sondern primär ein steuerliches Konstrukt.
Wichtig: Rürup gehört zur sogenannten Schicht 1 der Altersvorsorge — wie die gesetzliche Rente. Das hat Konsequenzen: Lebenslange Rentenzahlung verpflichtend, Hartz-IV-sicher, nicht beleihbar, nicht kapitalisierbar.
Schicht 1 (Basisversorgung): gesetzliche Rente, Rürup, Versorgungswerk. Steuerfreie Einzahlung, voll versteuerte Auszahlung.
Schicht 2 (geförderte Zusatzvorsorge): Riester, bAV. Zulagen oder Sonderausgabenabzug, nachgelagerte Besteuerung.
Schicht 3 (freie Vorsorge): Privatrente, ETF-Sparplan, Immobilien. Beiträge versteuert, Ertragsanteil-Besteuerung in der Auszahlung.
Der Steuerhebel im Detail
Rürup-Beiträge sind als Sonderausgaben absetzbar. Der Höchstbetrag entspricht dem Höchstbetrag für die Basisversorgung — also der gesetzlichen Rentenversicherung. 2026 liegt er bei 27.566 € für Ledige und 55.132 € für Verheiratete.
Anrechnung anderer Schicht-1-Beiträge
Wer als Angestellter in die DRV einzahlt, hat seinen Höchstbetrag bereits teilweise ausgeschöpft. Der Rürup-Beitrag kann dann nur den Restbetrag bis 27.566 € auffüllen. Beispielrechnung: Bei 50.000 € Bruttoeinkommen werden rund 9.300 € Arbeitnehmer-Anteil an die DRV gezahlt. Plus Arbeitgeber-Anteil also 18.600 €. Damit bleiben rund 8.966 € Rürup-Spielraum, wenn der Höchstbetrag voll ausgeschöpft werden soll.
Selbstständige ohne DRV-Pflicht haben dagegen den vollen Höchstbetrag für Rürup zur Verfügung.
Auszahlung wird nachgelagert besteuert
Das Geld, das Sie heute steuerlich absetzen, wird in der Rente versteuert. Der zu versteuernde Anteil steigt schrittweise: Wer 2026 in Rente geht, versteuert 84 % der Rürup-Rente. Wer 2040 in Rente geht, versteuert 100 %. Hier wirkt der entscheidende Hebel: Im Erwerbsleben oft 42 % Spitzensteuersatz — in der Rente meist 15 bis 25 %. Die Differenz ist Ihre effektive Förderquote.
Was passt zu Ihrer Einkommens-Klasse?
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Rechner starten →Beispielrechnung: 100.000 € Brutto, Spitzensteuersatz
Sandra ist 42, Geschäftsführerin einer GmbH, Bruttoeinkommen 100.000 €, Spitzensteuersatz 42 %. Sie zahlt 18.000 € jährlich in eine fondsgebundene Rürup-Police mit kostengünstiger ETF-Hinterlegung.
| Position | Wert |
|---|---|
| Rürup-Beitrag pro Jahr | 18.000 € |
| Sonderausgabenabzug 2026 (100 %) | 18.000 € |
| Steuerersparnis (42 % von 18.000 €) | 7.560 € pro Jahr |
| Echter Eigenbeitrag | 10.440 € |
| Förderquote | 42 % |
| Über 25 Jahre Steuerersparnis kumuliert | 189.000 € |
Bei 25 Jahren Laufzeit und 5 % Rendite (kostengünstige Fondspolice) ergibt Sandras Vertrag einen Endwert von rund 895.000 €. Daraus eine garantierte monatliche Rente von schätzungsweise 2.500 bis 3.200 € (je nach Sterbetafel und Vertrags-Konditionen). Die Rente wird zu 100 % besteuert — bei einem Steuersatz von 20 % im Alter bleiben netto rund 2.100 bis 2.560 €.
Für wen lohnt sich Rürup?
- Selbstständige & Freelancer ohne DRV-Pflicht
- Gutverdiener im Spitzensteuersatz (42 %+)
- Spätstarter (50+) mit hohem Einkommen
- Personen mit operationellem Risiko (Pfändungsschutz!)
- Berufseinsteiger mit niedrigem Steuersatz
- Wer Liquidität braucht / Vermögen vererben will
- Sehr flexibilitäts-orientierte Sparer
- Wer ohnehin DRV-Höchstbeitrag erreicht
Faustregel: Je höher der Steuersatz heute vs. in der Rente, desto lohnender
Rürup ist im Kern ein Steuerstundungs-Modell. Wer heute 42 % Steuern zahlt und in der Rente nur noch 20 %, holt sich die Differenz von 22 %-Punkten als zusätzliche Rendite. Bei 25 Jahren Laufzeit kann das die Gesamt-Rendite um 1 bis 1,5 %-Punkte heben — ohne Mehr-Risiko.
Welcher Tarif: klassisch, fondsgebunden, Index?
Klassische Rürup-Rente
Garantierter Mindestzins (aktuell 1,0 % Höchstrechnungszins für Neuverträge 2026), Sicherheit über den Sicherungsfonds Protektor. Renditen typisch 2 bis 3 % p. a. nach Kosten. Sinnvoll für sehr sicherheitsorientierte Anleger und Spätstarter.
Fondsgebundene Rürup-Rente
Beiträge fließen in Investmentfonds (idealerweise kostengünstige ETFs). Höhere Renditechance (5 bis 7 % p. a. realistisch), höheres Risiko. Für jüngere Sparer mit 15+ Jahren Restzeit meist optimal.
Index-gebundene Rürup-Rente
Renditen sind an einen Index gekoppelt, oft mit Begrenzung (Cap). Klingt attraktiv, hat aber in der Vergangenheit häufig schwächere Ergebnisse gebracht als reine fondsgebundene Varianten. Mit Vorsicht prüfen.
Beim Tarifvergleich ist die Effektivkosten-Quote (Reduction in Yield, RIY) der entscheidende Wert: Sie zeigt, um wie viel die Vertragskosten die Rendite drücken. Faustregel: Bei langjährigen Verträgen sollte die RIY unter 1,5 % liegen, idealerweise unter 1,0 %. Bei höheren Werten frisst die Versicherung den Steuervorteil teilweise auf.
Die Nachteile ehrlich benannt
1. Keine Kündigung möglich
Ein einmal abgeschlossener Rürup-Vertrag kann nicht regulär gekündigt werden — Sie können ihn nur beitragsfrei stellen. Das angesparte Kapital bleibt bis zum Renteneintritt gebunden.
2. Keine Vererbung
Im Todesfall geht das Kapital grundsätzlich an den Anbieter zurück. Nur durch eine vertraglich vereinbarte Hinterbliebenenrente kann der Ehepartner profitieren — was die Rendite reduziert. Für Singles ohne Erben-Wunsch ist das kein Problem, für Familien aber relevant.
3. Verpflichtende Verrentung
Anders als bei Privatrente oder ETF gibt es keine Einmalauszahlung. Sie bekommen monatliche Rente bis zum Lebensende. Wer 65 Jahre alt wird und mit 68 stirbt, hat einen großen Teil seiner Beiträge verschenkt.
4. Hohe Komplexität bei Anbieter-Wahl
Es gibt hunderte Rürup-Tarife auf dem Markt — von hochkostigen Klassik-Verträgen bis zu kostengünstigen Direkt-Verträgen. Die Unterschiede in den Effektivkosten betragen leicht 2 bis 3 %-Punkte über die Laufzeit. Das macht über 25 Jahre einen Endkapital-Unterschied von 40 bis 60 %.
Beim Rürup-Abschluss gilt mehr als bei jedem anderen Vorsorge-Produkt: Vergleichen, Effektivkosten prüfen, unabhängigen Rat einholen. Die Hochkosten-Variante kann den Steuervorteil komplett auffressen — nur kostengünstige Tarife sind wirklich lohnend.
Häufige Fragen — Rürup-Rente
Die Rürup-Rente (offiziell: Basisrente) ist eine staatlich geförderte private Altersvorsorge der sogenannten Schicht 1 — wie die gesetzliche Rente. Beiträge sind zu einem hohen Prozentsatz steuerlich absetzbar (2026 bis zu 27.566 € für Ledige), die Auszahlung erfolgt verpflichtend als lebenslange Rente und wird nachgelagert besteuert.
Vor allem für Selbstständige ohne gesetzliche Rente, Gutverdiener im Spitzensteuersatz (über 68.430 € zvE 2026) und ältere Sparer (50+) mit kurzer Restzeit. Wer im hohen Steuersatz Beiträge einzahlt und im niedrigen Steuersatz auszahlen lässt, holt den maximalen Hebel raus.
100 % der Beiträge sind 2026 absetzbar — bis zum Höchstbetrag von 27.566 € (Ledige) bzw. 55.132 € (Verheiratete). Bei 42 % Spitzensteuersatz fließen bis zu 11.580 € pro Jahr als Steuerersparnis zurück.
Rürup ist nicht kündbar (nur beitragsfrei stellbar), nicht vererbbar (Ausnahme: optionale Hinterbliebenenrente), nicht kapitalisierbar und die Auszahlung wird voll nachgelagert besteuert.
Es gibt klassische (mit Garantiezins), fondsgebundene (höhere Renditechance) und Index-gebundene Varianten. Für jüngere Sparer sind fondsgebundene Tarife mit ETF-Hinterlegung meist optimal. Wichtig sind in jedem Fall niedrige Effektivkosten und transparente Kostenstruktur.
Ja, das ist möglich und in vielen Fällen sinnvoll. Riester für die Zulagen (besonders Familien), Rürup für den Steuerhebel (besonders Gutverdiener). Die beiden Förderungen schließen sich nicht aus.
- Bundesministerium der Finanzen: Höchstbetrag Basisversorgung 2026
- BaFin: Höchstrechnungszins Lebensversicherung 2026
- Einkommensteuergesetz § 10 Abs. 1 Nr. 2 — Sonderausgabenabzug
- Deutsche Aktuarvereinigung: Berechnung Effektivkosten in der LV